Die Salzburger Schriften (1524/25)
Von der Jungfrau Maria zur radikalen Reformation
Der Arzt und Naturphilosoph Paracelsus (1493/94-1541) verfasste 1524/25 in Salzburg seine ersten theologischen Schriften, die hier nach den Handschriften herausgegeben werden. Die Erkenntnis, dass er seine Abhandlungen zur Jungfrau Maria zuerst auf Latein und nicht wie bisher angenommen deutsch geschrieben hatte, zudem seine medizinischen Werke erst danach entstanden, zeichnet ein neues Bild vom frühen Paracelsus. Weiter führten seine trinitarischen Spekulationen zur Idee, dass auch die stoffliche Welt auf drei Grundprinzipien (brennbar, flüchtig, fix) beruhen müsse. Angeregt durch die frühe Reformation und die Maximen des schwelenden Bauernkriegs, wandelte er sich vom traditionellen Marienverehrer zum Kirchenkritiker und Sozialrevolutionär. So prangerte er nicht nur den 'christlichen Götzendienst' an, sondern stieß sich an der Habgier der Reichen und am Hochmut der Herrschaftshäuser. Paracelsus begann eine intensive und lebenslange Auseinandersetzung mit der Bibel. Als Ergebnis widmete er den Wittenberger Theologen Luther, Melanchthon und Bugenhagen eine Auslegung zum Matthäusevangelium. Insgesamt ergibt sich das Bild eines radikalen Reformators, der in der Reformationsgeschichte erst teilweise wahrgenommen wurde.
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