Erzählungen aus dem Nachlaß
Die Kleine war eingeschlafen. ¿»Endlich« seufzte die junge, blasse Frau, die zuseiten des garnvergitterten Kinderbettchens saß. Sie faltete die Hände überm Knie und schaute starr mit den großen, grauen Augen ins gelbe Lampenlicht. Es war ganz still in der Stube. ¿ Um so lauter tönten des schlummernden Kindes regelmäßige Athemzüge. Einschläfernd ¿ dachte die Mutter und senkte für einen Augenblick die breiten Lider. Dann hob sie den Blick und sah im Zimmer umher. ¿ Es war vornehm, aber nicht wohnlich, die hohen Möbel mit den massigen Füßen und verzierten Platten schienen zu neu, die Fenstervorhänge zu kostbar und reich. Alles war kalt, fremd, förmlich; und sie seufzte wieder. Wie still es um sie war! Das Kindermädchen hatte sie ins Gesindezimmer hinabgeschickt, ihr Gemahl war noch nicht zuhause, und draußen auf der Straße regte sich nichts. Sie waren ja auch mehr denn eine Stunde von der Stadt entfernt und ¿ was hätte ihr denn selbst die Stadt geboten? Hier im einsamen Mühlhof ¿ so nannten die Leute die Villa des Mühlenbesitzers, die den Arbeiterhäusern genüber am Rande des grünen, schlammigen Teiches lag, ¿ hier war es ja so ganz recht für sie. (lib)
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